Gauben bekleiden, Dachrinnen montieren und Traufen einfalzen sind doch sehr praktische Arbeiten eines Spenglers, bei dennen die kreativen und künstlerischen Fähigkeiten des Spenglers von Dritten nur schwer zu erkennen sind.

Spengler, Dachdecker, Dachrinne Kupfer
(Typische Spenglerarbeiten: Dachrinne, Traufblech, Wandanschlüsse, Gaubenbekleidung)

Doch eigentlich besteht die 3 1/2 Jahre Ausbildung eines Spengler-/Klempnergesellens vielmehr aus Entwerfen und Erstellen von kreativen und individuell passenden Werkstücken.

 

Spengler – Werkstück – Kupfer – Kunst
(Handarbeit, von links nach rechts: unteres Knickstück mit Vollnieten, Urne, Deckel)

Bei der Anfertigung der Urne (Bild Mitte) stecken einige Stunden Arbeit dahinter.
Anfangs wird eine grobe Skizze erstellt inkl. der Stellen für Lötnähte und Fälze.
Anschließend wird auf Grundlage der Skizze mit Zirkel, spitzem Bleistift und Lineal eine genaue 3-Tafel-Ansicht erstellt. Mit dieser Ansicht ist es dem Spengler möglich die einzelnen Bauteile der Urne genau aufzureißen, um passende Schablonen zu erstellen.

 

Schablone Werkstück

Mittels Zirkel und den Schablonen wird anschließend jedes einzelne Bauteil der Urne auf das Grundmaterial (hier Kupfer) übertragen zzgl. den benötigten Zugaben für Fälze und Umschläge. Sobald das passiert ist, werden alle Bauteile einzeln gebogen, gebörtelt und aufeinander passend geformt.

 

(Besonders ärgerlich ist es, wenn einem hier ein Fehler beim letzten Falz passiert 🤣; Foto stammt aus 2011 bei einem Übungswerkstück)

Aber Übung macht bekanntlich den Meister:

Werkstück Kerzenhalter Kupfer

Die ursprüngliche Urne fand dann im eigenen Haushalt Gebrauch als Kerzenhalter.

Auch wenn Fallrohrbögen, Einhangstutzen und vieles mehr aus wirtschaftlichen Gründen maschinell angefertigt werden, wird das Können des Spenglers heute noch dringend auf der Baustelle benötigt! Dieser hat das Wissen und die Fähigkeit bei individuellen Gegebenheiten (die es besonders bei Dachsanierungen auf jeder Baustelle gibt) Lösungen zu finden und auszuführen oder die industriell gefertigten Formteile an die örtlichen Detals anzupassen.

Weitere Übungsstücke aus der Ausbildungszeit: